Lewin,

Kreis Glatz, Regbez. Breslau,

Lewien, Levinici, Levenice, Lewinice, lat. Leovina, kleine offne Stadt an der Lewiner Meta und am Ratschenberge, unweit des Hummelberges, welche dem Namen nach schon im Jahre 1197 urkundlich vorkommt. In diesem Jahre nämlich vertauschte der Königliche Untertruchsess Sobekird sein ihm in Lewin verliehenes Gut an das Benedictinerkloster St. Margareth in Brzewnow bei Prag, gegen eine Insel daselbst. Im Jahre 1238 war das Kloster nicht allein noch im Besitze dieses Gutes, sondern erwarb auch noch ein andres daselbst, das Erbgut des Zulislaw, Burggrafen von Elbogen. In der Gegend war das Kloster sicher noch 1253 begütert, wann aber dieser sein Besitzstand schliesslich aufhörte, unter welchen Verhältnissen und auf wen er direct überging, darüber ist so wenig etwas bekannt geworden, wie über die Zeit, in welcher der Ort Lewinici zu deutschem Stadtrecht erhoben worden. Ob Lewin schon im dreizehnten Jahrhundert zur Herrschaft Hummel gehört hat, ist zweifelhaft, später war es aber der Fall. Das feste Schloss Hummel, slaw. Homole, deutsch auch „Landfried" genannt, der Hauptort eines weitreichenden Bezirks, war ursprünglich böhmisch und wurde erst seit 1477 zum Lande Glatz gerechnet. Die ersten bekannten Herren von Hummel waren die von Pannwitz ungefähr bis 1388. Im Jahre 1390 gehörte Hummel und zugleich auch das „Dorf" Levin einem Sminko von Sternberg, der sich auch von Chlumetz nannte. Im Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts, 1403, 1406 war Dietrich von Janowitz (†l412) Herr von Hummel, der auf dem Schlosse einen Burggrafen ßziwin von Woykow eingesetzt zu haben scheint, 1412 soll ein Graf Hans von Pogrell auf Hummel gesessen haben. Im Jahre 1424 gehörte Hummel dem Heinz von Lazan, genannt Lefl, 1427 kaufte es Nicolaus von Trczka, aber schon im nächsten Jahre erstürmten die Hussiten das Schloss und setzten Peter Pollak von Wolfina ein, dem später (um 1444) Hinko Kruczina von Lichtenberg (Leuchtemburg) folgte, welcher 1454 starb und dessen Sohn Wilhelm das ganze Erbe sofort an Georg von Podiebrad und Kunstadt, den spätem König, verkaufte. Seinen Erben gehörte Lewin bestimmt noch 1472.

Anmerkung: Nach P. Klemenz sind die anscheinend ältesten Belege von 1184, 1180, 1197, 1211 und 1238 (Gl. G. 1, 10, 12, 13; Hegest. Nr. 61) auf 2 (oder 3) andere gleichnamige 0rte in Böhmen, bei Aussig und Leitmeritz, zu beziehen; hiernach wäre der älteste Beleg erst die Urkunde vom 17.10. 1367

Das Wappen des Städtchens ist eins der schwer zu erklärenden. Am besten lässt es sich blasonniren: ein in vier Reihen zinnenweise quer getheilter Schild, der Art, dass die Zahl der Zinnen von unten nach oben zu steigt. Diesen Eindruck macht wenigstens das relativ älteste Siegel aus dem siebenzehnten Jahrhundert mit der Umschrift: SIGIL . MINVS . CIVITATIS . LEOVINENSIS . Neuerdings aber hat man es vorgezogen, nur drei Reihen perspectivisch hintereinander aufsteigender Zinnen darzustellen, ein für einen von jeher offnen und ganz unbefestigt gewesenen Ort sonderbares heraldisches Symbol, auch ist es beliebt worden, den etwas stark gerathenen und im weichen Wachs wahrscheinlich breit gedrückten Zirkelpunkt irgend eines alten Siegels als etwas Wesentliches anzusehen und ihn gross und kugelförmig in der Mitte der dreifachen Zinnenmauer abzubilden. Farben sind unbekannt, denn grau in Grau, wie es jetzt geschieht, das Wappen zu tingiren, ist unheraldisch. Vielleicht gelingt es noch einmal, im Wappen eines der alten Herren auf dem Landfried den Ursprung des Lewiner Stadtwappens zu entdecken.

Quelle: Wappenbuch der Schlesischen Städte und Städtel, Saurma, Hugo, Berlin 1870
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